Wir sind verschieden ... und das ist gut so!
- carolineschroeder2
- 14. Jan. 2025
- 3 Min. Lesezeit
psychotherapiejetzt - Praxis für Psychotherapie Caroline Schröder
Serie Lieblingsthemen in der Psychotherapie

Was ist "Normal"?
In der Regel geht der Mensch von sich selber aus. Wir schließen von uns auf andere. Wir halten unsere Einstellungen, Lebensweisen, Denkweisen und Herangehensweisen für "das Normale", die Norm. Das macht uns etwas "blind", nein sagen wir "kurzsichtig"!
"Jeder schließt von sich auf andere und berücksichtigt nicht, dass es auch anständige Menschen gibt".
Heinrich Zille 1858 - 1929 Grafiker, Maler, Fotograf
Dann kommt die Überraschung ...
Oft sind wir überrascht, wenn ein Gegenüber sich unerwartet anders verhält!
Eine gesunde Schätzung ist, dass 80 % der Menschen, die uns täglich begegnen, anders Denken und Handeln als wir. Nur bei 20 % können wir - geschätzt - von ähnlichen Verhaltensmustern ausgehen.
Dabei ist gerade die Verschiedenheit der Menschen und der Kulturen unsere Stärke! Oder hätten Sie die Waschmaschine entwickeln können? Sehen Sie - ich auch nicht. Dafür habe ich von meiner Mutter das Rezept meiner Oma für Apfelstrudel mit echtem Strudelteig gelernt ... und vieles anderes mehr. Wie wir alle unsere Fähigkeiten haben.
Die Haltung, dass wir uns für die Norm halten, kann sinnvoll sein ... oder war vielleicht in der Steinzeit sinnvoll, als das Überleben von der Zugehörigkeit zu einer Gruppe, zu einem Clan, abhing. Die Anderen - der andere Clan - war gefährlich! Die im Clan geübten Verhaltensweisen bestimmten die Identität - ich bin nicht "ich", sondern "der Angehörige dieses Clans"!
Die Vielfalt und Verschiedenheit in den Kulturen
Wir finden in der Forschung zu kulturellen Unterschieden heute noch Kulturen, in der die Indentität des Einzelnen mehr durch die Zugehörigkeit zur Gruppe bestimmt wird als bei uns in den westlichen Ländern.
Bei uns gilt die Individualität, ja gerne die Einzigartigkeit.
In manchen asiatischen Ländern ist die Zugehörigkeit wichtiger als die Individualität. So kann man sich erklären, dass während der Corona Pandemie in manchen asiatischen Ländern auf der Straße am Auto geimpft wurde - für die Sicherheit der Gemeinschaft. Und das Impfquoten von 93 % erreicht wurden. In unserer Kultur der Individualität wäre das undenkbar gewesen. Ein Eingriff in die Bürgerrechte! Bei uns ist die Impfquote gegen Covid 19 bei 77,9 %.
Führt die Betonung der Individualität zu Toleranz?
Also können wir mit unserer Betonung auf Individualität besser wahrnehmen, dass der Andere anders ist und sind wir deswegen toleranter? Das würde ich mir wünschen, bezweifle aber, dass die Forschung auf dieses Ergebnis kommt.
Am besten Üben - sozialen Wahrnehmung
Es ist eine psychologische Variable und eine Frage der Übung in der sozialen Wahrnehmung, dass ich die Andersartigkeit des Gegenübers wahrnehmen kann. Es ist die hohe Kunst der Sozialen Kompetenz und eines gesunden Selbstwertes, dass ich Toleranz und Offenheit üben kann.
Oft mache ich in den Therapien auf unseren besonderen "Blinden Fleck" aufmerksam - wir denken, der Andere denkt und handelt so wie ich. Wir gehen von uns selbst aus.
Empfehlenswert ist es, ganz bewußt das Gegenüber zu beobachen und einzuschätzen: Wie geht der andere mit Hilfsbereichtschaft um - so wie ich oder fühlt es sich in der gebenden Rolle oder in der nehmenden Rolle am wohlsten? Das selbe zu den Themen "Ehrlichkeit", "Selbstdarstellung", "Arbeitsengagement", "Finanzen", "Freundschaft und Familie", "Verantwortung übernehmen", und so weiter. Diese Liste könnte man sehr lange weiter führen.
Den Scheinwerfer unserer Aufmerksamkeit nach außen ...
In den Therapien mache ich gerne eine Geste mit den Händen, die Scheinwerfer darstellen sollen - die Scheinwerfer nach außen richten! Die anderen bewußt beobachten und klare Einschätzungen aus den Erfahrungen ziehen. Sich nicht so sehr mit sich .... und sinnloser Selbstkritik beschäftigen.
Diese Empfehlung habe ich bei dem Thema "Partnerschaften" hier im Blog schon einmal vertieft.
In machen Familien wird das vielleicht schon von den Eltern vorgelebt und gelehrt. Bei meinen Patienten finde ich diese kühle, vielleicht auch kalkulierende Haltung selten.
Kühl, kalkulierend und realistisch
Die Kognitive Verhaltenstherapie KVT will bei den Patienten genau diese realistische alltagsbezogene nüchterne Haltung und Beurteilungsfähigkeit stärken. Also Vorsicht - wenn Sie sich in Therapie begeben: nach einer Kognitiven Verhaltenstherapie sind Sie vielleicht einiger Selbsttäuschungen beraubt, aber weniger Enttäuschungen ausgesetzt.
Außerdem möchte ich mit diesem Text die Toleranz und Offenheit stärken - für ein Gutes Neues Jahr 2025 in Friede und in Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit für alle Menschen, Lebewesen und unser Ökosystem.
Alles was "anders" ist kann auch bereichernd sein.
Wir können das aushalten ... und oft auch genießen - denke ich immer bei dem Besuch meines Lieblingsitalieners!
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