top of page

Lästern - lästig oder lustig? Die Last mit dem reden über andere.

  • carolineschroeder2
  • 24. Sept. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

psychotherapiejetzt - Praxis für Psychotherapie Caroline Schröder

Serie Impulse



ree

Lästern - wie gehe ich damit um?

Ich werden immer Mal gefragt - vor allem im Rahmen der Gruppentherapie zur Sozialen Kompetenz - wie man denn damit umgehen kann, wenn über andere gelästert wird. Diejenigen, die diese Frage stellen gehören eher zur Fraktion, die das lästig findet. Aber es wird immer berichtet, dass das Lästern über anderre für manche wie ein Sport ist und scheinbar eine Befriedigung bringt. Sonst würden es die Profilästerer nicht so häufig betreiben.


Lästern - ein ganz normales Bedürfnis?

Im Alltag gibt es auch ein ganz normales Bedürfnis sich über eine andere Person auszutauschen. Meistens suchen wir dabei nach Zustimmung, nach Übereinstimmung und sozialer Unterstützung: "der oder die war doch jetzt komisch..., oder?".

Schwierig wird es, wenn eine Person oder eine Gruppe diese Form des Redens über Andere und die Abwertung des Anderen als Hauptthema haben.

Was kann man dann tun? Wie kann man der Lästerei begegnen? Zuerst einmal schauen wir uns die Motive, die Beweggründe für das Lästern an.


Welche Motive gib es noch für's Lästern?

Eine erste Beobachtung: hinter dem Lästern über andere kann man sich so gut verstecken! Es geht um jemand anderen ... und der wird auch noch schlecht dargestellt. Dann bin ich ja in dem Moment der Bessere, der Überlegene, oder!?!

Zu dieser Dynamik wurden kluge Bücher geschrieben, weil diese Haltung in ihrer extremsten Form hinter Extremismus und Faschismus steckt. Zum Beispiel die Beschreibung des Autoritären Charakters von Erich Fromm. https://de.wikipedia.org/wiki/Autoritärer_Charakter


Schon in der Steinzeit ... ?

Beim Lästern kann es auch darum gehen, eine Gruppe nach "Außen", gegenüber den Anderen, den Fremden abzugrenzen. Es entsteht eine Gefühl von "Wir gegen Die Anderen". Das is ein altes Bedürfnis der Menschheit. Vor allem in Steinzeitkulturen ist die Zugehörigkeit zur Gruppe überlebenswichtig. Der andere Clan, die Fremden, waren oft gefährlich. Es gab Zeiten, in denen der Mensch sein angestammtes Gebiet, das Stammesgebiet, nicht verlassen konnte, ohne damit zu rechnen, dass er von Angehörigen des anderen Clans sofort ermordet werden würde bei einer Begegnung. Das war das Schicksal des Ötzis.

Jared Diamond beschreibt diese Phase der Menschheitsgeschichte in seinem Buch "Vermächtnis: Was wir von traditionellen Gesellschaften lernen können." (The World Until Yesterday 2013).


Hatten schon die Steinzeitkulturen ein Mobbingproblem?

Ob allerdings die sozialen Strukturen im Clan eine Ausgrenzung und böses Lästern erlaubt haben steht in Frage. Es gibt Hinweise aus heute noch existierenden alten Kulturen, dass der innere Friede und Ausgleich - wieder für das Überleben des Clans - sehr hoch geschätzt wurde.

Jeder einzelne war wichtig und konnte in einer schwierigen Situation den wesentlichen Beitrag zum Überleben leisten. Da war es egal, ob derjenige einfach besonders viel Muskelkraft hatte oder besonders klug war. Jeder hatte seinen Platz. Die Identität wurde mehr aus der Zugehörigkeit zum Clan geschöpft als aus dem Individuum.

Damit haben Versöhnungsrituale und Ausgleichsrituale, um den Frieden wieder herzustellen, einen wichtigen Platz in den Kulturen. Hier möchte ich auf das Versöhnungs- und Vergebungsritual Ho'oponopono aus Hawaii hinweisen. https://de.wikipedia.org/wiki/Hoʻoponopono#:~:text=Hoʻoponopono%20(auch%3A%20ho%2Do,im%20gesamten%20südpazifischen%20Raum%20bekannt.

Dabei werden ernsthafte Reue und Vergebung gesucht. Es werden Sätze gesprochen wie: "Ich vergebe Dir". Das würde vielen von uns schwer fallen.

Aber damit wird deutlich - die Aggression im Lästern is gefährlich für eine Gruppe und schädlich für die Ziele der Gruppe!


Macht und Manipulation im Lästern

Dann gibt es den Hintergrund vom Lästern: es geht um Macht, es geht um Manipulation. Derjenige oder diejenige, der beim Lästern die Führung übernimmt, hat die Anderen im Griff. Jeder spürt die Aggression und ahnt, dass er oder sie die Nächste sein könnte. Das bewegt uns. Das löst Gefühle aus! Da fühlt sich der Lästerer mächtig. Durch die Entwertung des Anderen noch mächtiger. Durch die Bewertungen, die aufgestellt werden -richtig und falsch - noch mächtiger. Der Lästerer hat die Definitionsmacht und er gibt die Normen vor.


Was kann ich tun, wenn gelästert wird?

Einen guten Rat habe ich im "6-Minuten-Tagebuch" von Dominik Spenst wieder gefunden: sagen Sie etwas Freundliches über die Person, über die gerade gelästert wird.

Das hat mehrere Vorteile: gegen einen freundlichen Kommentar kann man fast nichts sagen, oder? Der Lästerer würde sich weit aus dem Fenster lehnen, wenn er oder sie zu stark dagegen spricht.

Außerdem hört man selber in der negative Atmosphäre des Lästerns auf diesem Wege freundliche Worte. Unser Gehirn, unsere Stimmung reagiert darauf sofort positiv.

Und - Sie betreiben positives Selbstmarketing, da alles was wir über Andere sagen in der Erinnerung mit uns selbst verknüpft bleibt. Das Gehirn ist so aufgebaut, dass es nicht nur faktisch abspeichert sondern auch narrativ oder episodisch. Die Worte, die Sie sprechen - ganz egal über wen oder was - bleiben im episodischen Gedächtnis des Anderen mit Ihnen verbunden.


ree

Was sagt der Dalai Lama?


Der Dalai Lama wurde gefragt, ob es ihm immer gelingen würde, mitfühlende Gedanken über seine Mitmenschen zu denken. Er antwortete, dass ihm das nicht immer gelingen würde. Auch er verspüre Abneigung und Zuneigung. Bei Menschen, die bei ihm negative Reaktionen auslösen, bemühe er sich etwas gutes an diesem Menschen zu finden. Eine positive Eigenschaft oder Verhaltensweise. Dann würde es ihm besser gelingen, diesen Menschen in einem anderen Licht zu sehen.

Probieren Sie das aus, beim nächsten Menschen, der Sie nervt. Das ist eine interessante Übung aus der Positiven Psychologie. Wenn Sie die positive Beschreibung über den Anderen denken, werden Sie vielleicht eine sanfte Veränderung in Ihrem Inneren bemerken. Die Stimmung wird besser und versöhnlicher. Das fühlt sich für Sie besser an.

psychotherapiejetzt - Praxis für Psychotherapie Caroline Schröder © 2024









 
 
 

Kommentare


bottom of page